Archive for June 2006

Markttag

Von: rosa

Ich mag zwar inzwischen manchmal eine cool-urbane Fassade auflegen können, aber im Herzen bin ich ein westdeutsches Kleinstadtwesen. Und schon immer liebte ich den Markttag in der norddeutschen Schnuckelkleinstadt, in der ich meine ersten 19 Lebensjahre verbrachte.

Gerade komme ich nämlich von meinem Berliner Lieblingsmarkt, der fast so betulich, omalastig und hübsch spießig ist, wie die Märkte meiner Jugend: Dem alldonnerstäglichen Brandenburger Bauernmarkt am Wittenbergplatz.

Die heutige Ausbeute:


2 Kilo Erdbeeren, Erbsenschoten, Kirschen, Tomaten, Gurke, Zucchini, Kohlrabi.
Huch. Den rechts oben im Bild angeschnittenen Leopardenascher hab ich natürlich nicht auf dem Markt erstanden.

Das alles hat mich zehn Euro gekostet. Im Billigsupermarkt wäre es sicher nicht billiger geworden.

Und die Kirschen sind köstlich, keine einzige Matschkirsche dabei, die Erbsen schmecken wie bei Oma aus dem Garten (auch meine Erbsenschalenhautabziehexpertise hat dankenswerterweise über die Jahre nicht nachgelassen!), und aus den Erdbeeren werden noch ein paar Gläschen Marmelade produziert. Im Gegensatz zu anderen Leuten (1, 2) mag ich die ja.

Nochmal We Em

Von: rosa

* Hach. Also, We Em so im Stadion war super, super, super. Ich hatte zwar nur eine Tröte einstecken, aber musste mich ja sowieso erst an die ganzen merkwürdigen Fußballstadionriten gewöhnen (die Welle, ständiges Aufstehen und Hinsetzen, Rumjubeln), da hatte ich kaum Zeit zum Krachmachen. Der zwar oft dämliche, aber natürlich an Informationen reiche Fernsehkommentar zum Spiel fehlt mehr, als angenommen. Wer hat jetzt gerade eigentlich die gelbe Karte bekommen? Und wofür? Und, hey, war das ein Tor da hinten? Ansonsten sieht man erstaunlich gut, wir waren auch noch perfekt platziert, in der ersten Hälfte nämlich schräg hinter dem schwedischen Tor (2:0), in der zweiten konnten wir noch hautnah miterleben, wie der arme Schwede den Elfer vergeigt hat.

* Das neue Münchner Stadion ist jawohl ein saugeiles Stück Architektur.

* Das Bier erinnerte, wie zu erwarten war (es gab nur Budweiser! In fucking BAYERN!), mehr an abgestandenes Blumenwasser. Ich kann mich nur dem Urteil von Craig anschließen: Was hat Budweiser sich nur dabei gedacht. Niemand der Stadionbesucherinnen wird jemals wieder dieses Bier trinken (Amerikanerinnen vielleicht ausgenommen).

* Hat zwar nichts mit We Em zu tun, aber ich muss es verlinken. Alle, die mich kennen und ein Händi besitzen (ich hab ja keins), bitte mal kurz aufmerken und sich die Händiregeln des Waiters zu Gemüte führen. Im Umgang mit mir bitte besonders die Regeln 8, 9 und 23 stets beachten, sonst kann das zu starker Rosaangepisstheit führen.

Freundschaft!

Von: rosa

Im Sinne des zur Zeit ja herrschenden Völkerverständigungsenthusiasmusses (am Samstag im Stadion werde ich hoffentlich meinen Teil zur deutsch-schwedischen Freundschaft beitragen können!) koche auch ich gerne mal ein bisschen grenzüberschreitend vor mich hin.



Hier im Bild: Bio-Pell-Sieglinde von deutschen Feldern neben asiatisch angehauchten italienischen Möhrenstücken. Geschmort mit Sojasauce und etwas Ingwer, und am Schluss noch Frühlingszwiebeln rein.

Neuköllnbeflaggung

Von: rosa

(klick für Vergrößerung)

Da gibts moderate Beispiele.
























Und eher unentschlossene.












Da finden sich Länder, die doch garnicht mitspielen, beim derzeitigen Sportgroßereignis.






Und Mehrfachbeflaggung oder drollige Maskottchen sollen ja besonders gut wirken.







Reindling

Von: rosa



Von diesem Kuchen mit dem merkwürdigen Namen habe ich das allererste Mal vor etwa einem Jahr gehört. S., eine Kärntnerin, hatte den nämlich gebacken und ich war sehr begeistert. Ich mag ja sowieso Hefeteiggebäck, und in Kombination mit massenweise Zimt und Rumrosinen erst recht. Dadurch, dass der Hefeteig in einer Kuchenform gebacken wird, ist der Kuchen recht kompakt und relativ saftig.

Und so gehts:

Hefeteig machen mit 500 g Mehl, entsprechend Hefe, warme (Soja-)Milch, 2 Ei oder Eiersatz, 4 EL Zucker, 2 EL Butter oder Margarine, Zitronenschale, Prise Salz.

Die Geschichte von mir und dem Hefeteig ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ich liebe Hefeteig, in rohem wie in gebackenem Zustand, und selbst, wenn ein elektronischer Mixer vorhanden ist, muss ich ihn mit den Händen kneten, weil ich die Verwandlung vom Mehl-Flüssigkeit-Hefe - Matsch zu einer quasi-organischen, zähen, glatten Masse so beeindruckend finde und FÜHLEN muss, verdammt. Roher Hefeteig schmeckt mir außerdem sehr gut - ich nasche leider immer ein bisschen zu viel davon, so viel, dass mir gerade ein wenig schlecht wird, mhmmm, das muss so sein.
Dann aber: Das Backen. Obwohl ich bestimmt schon 50 Hefeteige hergestellt habe, konnte ich noch keine todsichere Methode eruieren, mit der er immer ordentlich aufgeht und schön fluffig wird. Frische Hefe ist mir eigentlich geheuerer als die Trockenbrösel, ich hatte noch einen Zweidrittel-Hefewürfel im Haus, deshalb, so dachte ich, wage ich mich mal an einen Reindling. Die Rosinen für die Füllung waren schon im Rumbad, ich wollte mit dem Hefeteig beginnen, doch leider: Der Würfel war verschimmelt. Das ist mir noch nie passiert, bisher ist meine Hefe einfach irgendwann nachgedunkelt und ausgetrocknet, aber etwas mit einem so prächtigen, blauen Schimmelpilz drauf wollte ich nicht mehr verwenden. Glücklicherweise war noch etwas Trockenhefe im Haus, seit einem Jahr abgelaufen, naja, nehmen wir halt zwei Päckchen. Und was soll ich sagen: Dies war mein bester Hefeteig seit Jahren.

Fürs nächste Hefeteigabenteuer also merken: Trockenhefe nehmen (doppelte Menge), Dampfl machen (beim österreichischen Reindling heisst das so, bei anderen Hefeteigen kann mans auch Vorteig nennen) und gehen lassen, bis er ordentlich Blasen wirft - so eine halbe Stunde lang, und den Teig wirklich LANGE gehen lassen, bis er sein Volumen mindestens verdoppelt hat. Außerdem bei NIEDRIGER Temperatur backen. Ich habe ja schon öfter über meinen Gasherdofen geschimpft - dies ist das erste Hefeteiggebäck, das mir darin nicht angebrannt ist.

Also, der Hefeteig. Den knetet man nach dem Gehen nochmal ordentlich durch und rollt ihn aus. Sodann bestreiche man ihn dünn mit (ungefähr 2 EL) Butter, bestreue ihn mit 2 EL Zimt (nicht weniger nehmen!) und 5 EL Zucker, und lege 100 g Rumrosinen drauf.



Und eigentlich gehört der Reindling in eine Guglhupfform. Weil ich sowas nicht besitze, sollte er in die polnische Puddingform kommen (rechts im Bild), das unerwartet große Hefeteigvolumen ließ mich dann doch zur Napfkuchenform greifen.

Hefeteig also aufrollen, die Rolle verdrehen und elegant in eine gefettete Form fallenlassen.



Bei maximal 180 Grad (Rosas Gasherd: 140 Grad) 30-40 Minuten goldbraun backen.

Nach dem Backen optional noch mit Puderzucker-Rum- oder Puderzucker-Zitronensaft-Glasur bestreichen.

Perfekter Wochenendkaffeekuchen!

Hier gehts übrigens zur Abstimmung des letzten Blogevents, bei dem sich meine Ful Medames dem Wettbewerb um den besten Hülsenfruchtrezeptblogeintrag stellen!

Ful Medames Neuköllner Art

Von: rosa


(aus ästhetischen Gründen farbenfroh auf Roggenbrot auf grünem Teller und mit roter Radieschenmöhre angerichtet)

Das wollte ich nämlich seit ewigen Zeiten mal kochen. Ful habe ich hier bisher nur als Suppe serviert bekommen, aber bei den Temperaturen hier mag ich Bohnen lieber lauwarm auf Brot essen. Das Rezept ist eine Mischung aus dem hier und dem hier.

Leider bin ich nicht ganz sicher, ob ich überhaupt die richtigen Bohnen erwischt hab. Sie sahen zwar etwa so aus wie die Bilder auf den Fertigfuldosen, aber so ganz steig ich durch die Trockenbohnensorten ja nicht durch. Und außerdem kann ich kein Arabisch:



Bohnen einweichen und weichkochen (hat bei mir so 2-3 Stunden gedauert, bis sie matschig geworden sind).
Dann Sauce aus Olivenöl, Zitronensaft, ordentlich Kreuzkümmel, etwas scharf (ich hab ein bisschen Chilipulver genommen) und gehacktem Knoblauch anrühren.



Sauce unter die leicht angematschten Bohnen rühren, auf Brotaufstrichwärme abkühlen lassen und auf Roggenkruste oder (stilechter) auf Pita servieren. Schmeckt sehr gut und würzig.
Ein bisschen glatte Petersilie drauf ist bestimmt auch nicht falsch.

We Em!

Von: rosa

Bisher hab ich von der Fußball-WM der Männer nicht viel mehr mitbekommen, als zu Zeiten, in denen ich nicht im Austragungsland gewohnt habe. In Berlin verlaufen sich so Riesenveranstaltungen ja immer ganz gut, und an den Haupt-Fan-Versammlungsorten kommt man im Alltag eher selten vorbei. Aufgefallen sind mir nur die zahlreichen Helfer, die plan- und aufgabenlos an jedem Bahnhof rumstehen und auf verirrte Touristen warten, deren Anzahl allerdings die Zahl der Helfer deutlich zu unterschreiten scheinen.

Das einzige klare WM-Zeichen in Neukölln sind die Autofahnen, die sich zahlreiche Autofahrer mit speziellen Autoflaggenmontierverrichtungen ans Allerheiligste montiert haben. Der Krankenwagen, der heute an mir vorbeibrauste, mit Sirene, Blaulicht und Deutschlandflagge auf dem Dach, geht aber vielleicht doch etwas zu weit.

Heute Abend dann: Peripher registriert, dass Brasilien gegen Kroatien spielt (Brasilien!), und dass das Spiel in Berlin stattfindet (das erste Spiel in Berlin!).

Und ich musste heute Abend nach Charlottenburg, so um halb sieben rum. Noch kurz überlegt: S-Bahn oder U2? Dann für die U2-Route entschieden, was sich leider am Wittenbergplatz als großer Fehler rausstellte: Da öffneten sich nämlich die U2-Türen (Endstation "Olympiastadion", normalerweise fährt die doch garnicht so weit?) und gaben eine grün-gelb gewandete Wand großer Männer mit Tröten frei. Die winkten mich zum Glück freundlich in den Wagen, rückten ein bisschen zusammen, und ich habe es geradeso geschafft, zwischen diverse Körperteile gequetscht ein paar Stationen in Türnähe zu bleiben und beim gewünschten Stop auszusteigen.

Ansonsten freue ich mich schon auf den 24. Juni, 17 Uhr, da werde ich nämlich hier sein. Block 223, Reihe 18. Und ich weiss noch nicht, ob ich mir Deutschland-England wünschen, oder mich davor fürchten soll.

Wurzen, Herren

Von: rosa



Meine Leidenschaft für anachronistisch-seltsame Produkte hat wieder (1, 2) zugeschlagen.
Herrenschokolade ist natürlich viiiel zu bitter für zarte Frauengaumen. So etwas burschikose Computerfritzinnen wie ich kommen damit wahrscheinlich gerade noch klar, gut, dass man schon durchs Etikett vorgewarnt ist, dass sich die Geschlechtergrenzen natürlich auch durch die Schokoladengeschmäcker ziehen.
Das Wurzener Kuchenmehl werde ich die Tage mal beim Irgendwasbacken einsetzen, ich habe noch einen Zweidrittelhefewürfel rumliegen. Zimtschnecken? Rhabarberfladen? Reindling? Ich lass mich überraschen.

Petersilien-Walnuss-Pesto

Von: rosa

Neukölln im Pestowahn (rotes Pesto war vor 2 Wochen dran):

Diesmal spielen mit: Petersilie (die war übrig vom Tabouleh-Einkauf), Walnüsse, Olivenöl, ein paar frische Knoblauchzehen, Zitronensaft und Salz.



Einmal mit Pürierstab durchpürieren. Oder mit Mörser mörsern.



Ich mache Pesto immer ziemlich fest, weil ich mir das vor allem aufs Brot streiche. Wenn ichs auf Nudeln esse, rühre ich ein bis zwei Esslöffel davon mit etwas Öl und Nudelwasser flüssig, und vermische die unattraktive braun-grüne Pampe mit den heissen Spaghetti.



Himmel, wie lecker!

Ersatzessen

Von: rosa



Mach ich ja eigentlich nicht so oft, mit veganem Zeugs Fleischgerichte nachbauen. Neulich hatte ich aber enorm Hunger auf nahrhaft-deftige Nudeln, da hab ich eine fleischlose Bolognese gebastelt:
Die Grundrezept steht in etwa im großartigen OX-Kochbuch, wichtig ist die Mischung aus Linsen für die sämig-reichhaltige Konsistenz, Tomaten, Zimt und Rotwein. Ansonsten hab ich reingeschmissen, was da war: Zwiebeln, Knoblauch, rote Linsen, etwas Grünkern, Dosentomaten, ein paar getrocknete Tomaten waren auch noch übrig, Rotwein, Zimt, Salz, Pfeffer, Zucker. Und großen Schuss Olivenöl rein, wir wollen ja nicht nach drei Stunden schon wieder Hunger haben. Mhmmm.

Müslimixen

Von: rosa



Ich hab ja so Frühstücksphasen, in denen ich wochenlang morgens un-be-dingt immer das Gleiche essen muss. Zur Zeit ist Müsli dran. Und weil die ganzen Fertigmüslimixe leider meist entweder Apfelstückchen (von denen wird mir übel, unerklärlicherweise) oder Cornflakes (Gezuckertes im Morgenmüsli kann ich auch nicht ertragen, konnte ich noch nie, auch rätselhaft) oder gar beides enthalten, muss ich selbst ran.

Also Grundzutaten erstehen - Haferflocken sind zum Glück billig - und selber mischen. Zur Zeit mit Haferflocken, kleingeschnittenen Trockenaprikosen, Kürbiskernen, Leinsamen, Sesam, Dinkelflakes. Mhmmmm.

Zielgesteuertes Einkaufen

Von: rosa

Normalerweise kaufe ich ja spontan ein, was mich gerade anlacht.

Bestimmte, besonders wichtige Zutaten (Brot, Äpfel, Sojamilch) sind natürlich obligatorisch, aber ansonsten kaufe ich meist, was gut aussieht, und überlege mir dann später zuhause eine Verwendungsmöglichkeit. Zur Not muss ich halt nochmal los, um die dringend zur Herstellung des angepeilten Gerichts notwendigen anderen Sachen zu besorgen.

Heute am Türkenmarkt aber: Gleich am ersten Stand die Entscheidung: Ich mach Tabouleh. Oder wie man das schreibt.

Also einmal über den Türkenmarkt gekämpft, dabei Bulgur, Tomaten, Gurken, Riesenbund Minze und Riesenbund Petersilie unter den Arm geklemmt.



Und weil selbst ein Drittel dieser enormen Kräuterbüsche für circa ein Kilo Tabouleh ausreicht, schwirren bereits weitere Kräuterverwertungsmöglichkeiten in meinem Kopf. Wer mich dieses Wochenende besuchen kommt, muss zum Tabouleh auf jeden Fall Minztee trinken, und nächste Woche gibts dann Petersilien-Walnuss-Pesto satt.